Für alle, die diesen Blog so verfolgen und die mich persönlich kennen sollte mittlerweile klar sein, dass gerade die Fechtbücher Fiore dei Liberis auf mich eine große Faszination ausüben. Das liegt an einer Reihe von Faktoren. Ursprünglich war es die Begeisterung für das Neue, das Unbekannte. Zusammen mit meinem guten Freund Markus Mayerwieser habe ich mich in Fiore vertieft, um dessen Kampfkunst – l’Arte de Armizare – im Rahmen unseres Projekts Grazia e Modestia zu ergründen. Dabei haben sich für uns einige Schlüsselcharakteristika herausgebildet, die auch meine Vorstellung von einer ritterlichen Kampfkunst des späten Mittelalters geprägt haben.
Fiore dokumentiert in seinen Fechtbüchern:
- ein geschlossenes System mit (halbwegs konsistenter) Nomenklatur, das auf die Waffen seines Standes und eine Reihe von Ausrüstungsgraden – also ungerüstet, teilgerüstet oder vollgerüstet, zu Fuß oder zu Ross – anwendbar ist,
- ein Konzept, das der inhärenten Asymmetrie beim Einsatz von Handwaffen durch Auslage und Waffenhaltung Rechnung trägt und diese aktiv ausnutzt, anstatt Symmetrie zu erzwingen,
- ein System, das Entscheidungsbäume minimiert und somit vergleichsweise einfach erscheint,
- ein Konzept, das im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Quellen sehr deutlich durch hochwertige Bilder unterstützt wird,
- und natürlich noch einiges mehr 🙂
Im Lauf der letzten Jahre haben Markus und ich das eine oder andere Glossar, eine für uns funktionierende Interpretation des MS Ludwig XV 13 (Getty Manuscript) und in weitere Folge eine verschriftlichte Übersetzung dieses Fechtbuches in unsere Muttersprache erstellt. Wertvollen Input dazu ergänzte Bettina Miriam Sehner durch ihre Erfahrungen mit anderen Fiore-Trainings im Land, wo die Zitronen blühen.
Letztes Jahr habe ich diese Übersetzung dann graphisch aufgearbeitet und eben erst den letzten Feinschliff gemacht. Dieses Dokument möchten wir gern hier mit euch teilen!
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