Ritterliche Kampfkunst

Aufmerksamen Beobachter:innen meines Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich den Untertitel geändert habe. Das liegt darin, dass sich meine Wahrnehmung aufs historische Fechten in letzter Zeit immer weiter verschoben hat. Relativ häufig findet man (oftmals online) die Diskussion: Kampfkunst oder Kampfsport. Das hat mit der Thematik zu tun und war für mich der Auslöser für diesen Beitrag. Die hier beschriebenen Aspekte sind keine universell gültigen Tatsachen, vielmehr sind es Beobachtungen und Erkenntnisse daraus, so wie sie sich mir momentan darstellen.

Mein Bestreben in diesem Hobby ist das Erlernen einer Kampfkunst. Das schließt eine Reihe von Disziplinen und Aspekten ein, die in einem Kampfsport wenig bis keine Beachtung finden. Daraus ergibt sich für mich, dass ein oder mehrere Kampfsportarten Teil einer Kampfkunst sind, aber für sich stehen können, sollte der Rest nicht interessant sein. Kunst hat in diesem Zusammenhang weniger die Bedeutung von ästhetisch oder hübsch anzusehen, sondern folgt der Urbedeutung einer formalisierten oder codifizierten Tätigkeit. Eine Kampfkunst ist daher ein System, nach dem gekämpft wird. Den Kampfsport definiere ich dabei als die mehrheitlich körperliche Beschäftigung mit dem Thema Kampf als Freizeitbeschäftigung (vgl. disportatio). Das möchte ich in der Abbildung unten verdeutlichen. Natürlich kann ein derartiges Diagramm niemals vollständig sein, vielmehr soll es meine Gedanken zu diesem Thema ausdrücken.

Da natürlich unzählige Kampfkünste und damit Kampfsportarten existieren, lege ich meinen momentanen Schwerpunkt auf die ritterlichen Kampfkünste (HA! Da haben wir sie endlich) der vornehmlich ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Wichtige Aspekte stellen für mich das Trainieren in historischer Ausrüstung (Gewand und Harnisch), das Führen und Bereitmachen von Waffen im Gefecht, das Üben des scharfen Waffeneinsatzes unter sicheren Bedingungen und das Reitenlernen dar 🙂 Dazu kommt natürlich der dazugehörige Kampfsport mit Speer, Schwert, Axt und Dolch!

Nun aber genug von diesem Intermezzo. Über wertvolle Kommentare würde ich mich sehr freuen, schreibt mir also gern, wenn euch dazu etwas auf dem Herzen liegt! Auf bald 🙂

2 Gedanken zu “Ritterliche Kampfkunst

  1. Der Einteilung/Abbildung kann ich nur zustimmen! Zum Themengebiet passend finde ich die Diskussion rund um das Turnierwesen im historischen Fechten außerordentlich interessant.

    Mit der rapide wachsenden Bekanntheit von HEMA wächst zwangsläufig die kompetitive Turnierszene. Das ist bei einer Kampfkust/-sport bei welcher man sich mit historischen Waffen duelliert auch nicht weiter verwunderlich. Ranglisten, Turniere und Wettkämpfe werden für viele Fechter relevant, bzw. widmen sich vielen Fechter inzwischen ausschließlich der Turnierszene. Vor allem im osteuropäische Raum kann man, meiner Meinung nach, dieses Phänomen bereits in den letzten Jahren gut beobachten und inzwischen ist es auch in unseren Gefilden ein zentrales Thema.

    Neben dem Enthusiasmus gegenüber der Wachsenden Fechtszene finde ich die Frage nach dem historischen Anspruch aber absolut legitim. Ich möchte bitte nicht falsch verstanden werden: Mir geht es nicht darum Klüfte zu schaffen und in der Szene Lager zu bilden, sondern vielmehr die gemeinschaftliche Diskussion anzuregen. Ist modernes Turnierfechten noch historisch, nur weil es beispielsweise mit einem Langschwert stattfindet? Die Ausrüstung ist modern, die Waffen stellen zwar historische Vorbilder dar, bedienen sich aber selbstverständlich auch moderner Technologie und die Regelwerke nach welchen gefochten wird bedienen sich selten an historischen Grundlagen, sondern richten sich vielmehr auf modernen Kampfsport aus

    Zwangsläufig entsteht ein kompetitiver Gedanke. Techniken die Vorgangsweisen, welche historisch gar keinen Vergleich finden, funktionieren dank moderner Technologie/Regelwerke/Vorraussetzungen.

    Zwangsläufig wird man in der HEMA Turnierszene vor die Frage gestellt, ob man den historischen Grundlagen treu bleiben, oder kompetitiv erfolgreich sein möchte. Ich sehe mich im Übrigen nicht in der Position zu bestimmen, ob es eine richtige oder falsche Wahl gibt.

    Wiederum bedient sich die Turnierszene an historischen Waffen und auch modernere Techniken finden oft historische Vorbilder. Historischer Anspruch und Turnierwesen muss sich also nicht ausschließlich, kann sich aber sehr wohl in die Haare kriegen.

    Die große schlussendliche Frage die bleibt ist: Wie historisch ist die Turnierszene im Historischen Fechten tatsächlich.

    Alles oben stehende spiegelt nur meine eigene Meinung und Erfahrungen wieder. Der Kommentar soll zum Nachdenken, Meinung bilden und vor allem zu Diskutieren anregen. Er ist in keinster Weise als Kritik, Angriff oder allgemein gültig zu betrachten.

    Ich freue mich auf weitere Standpunkte.

    -Luki

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    • Danke für das Teilen deiner Impressionen zu diesem Thema. Es freut mich, dass dieser Beitrag bei dir zu Resonanz geführt hat! Ich würde deine schlussendliche Frage sogar noch weiter treiben und fragen: Wie historisch ist Historisches Fechten tatsächlich?

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