Wie schon in einem früheren Beitrag angedeutet möchte ich die Theorie ein wenig mit Praxis untermauern. Dabei geht es mir um die beiden wichtigsten Seitenwaffen ritterlicher Kampfkünste: Dolch und Schwert. Die wichtigsten Aspekte der hier diskutierten Methoden des Bereitmachens der Waffen sind zum einen der körpermechanisch sinnvolle Ansatz, also wie sich die Waffen mühelos und effizient ziehen lassen, und zum anderen der taktisch motivierte Ansatz, also warum die Waffen im Gefecht auf eine gewisse Art gezogen werden. Natürlich sind das nur meine Gedanken und Ideen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und würde mich freuen, auch andere Konzepte kennenlernen zu dürfen.
Der Dolch kann prinzipiell auf zwei Arten gegriffen werden: Entweder mit der Spitze vor dem Daumen (verlängerter Griff) oder mit der Spitze vor dem kleinen Finger (verkürzter Griff). Im Kontext der ritterlichen Kampfkunst wird er üblicherweise an der Seite der dominanten Hand geführt. Um den Dolch zu ziehen, möchte ich hier zwei Varianten vorstellen. Wenn man mit der dominanten Hand von vorne nach hinten streicht und dabei den Griff der Waffe packt, zieht man im verlängerten Griff. Streicht man hingegen nach vorne, zieht man im verkürzten Griff. Aber Achtung: Beim Ziehen im verkürzten Griff bringt man die Waffenhand außerdem näher zum Gegner! Hier brauchen wir eine taktische Lösung – eine Körperdrehung weg vom Gegner (Details unten).

Um das Schwert zu ziehen brauchen wir etwas mehr Körpereinsatz. Ich stelle mir die Aktion als eine gegenläufige Bewegung beider Arme vor. Dazu ergreife ich mit der nicht-dominanten Hand das obere Ende der Schwertscheide und mit der dominanten Hand den Schwertgriff. Nun bewege ich beide Arme auseinander – den linken nach links, den rechten nach rechts. Natürlich kann die Schwertscheide nicht besonders weit, es reich, es sich vorzustellen. Die so erzeugte diagonale (Kreis-)Bahn erlaubt es, sogar längere Klingen relativ einfach zu ziehen. In jedem Fall kommt dabei aber die dominante Hand dem Gegner näher und bietet diesem so ein Ziel. Abhilfe kann auch hier eine Körperdrehung (Volta Stabile) schaffen. Sie vergrößert den Abstand, indem sie den Schwerpunkt verlagert, und ermöglicht das Ziehen der Waffe, ohne dass sich die Waffenhand dem Gegner nähert und ihm somit ein Ziel für Gegenmaßnahmen bietet. Außerdem erleichtert sie das Ziehen von längeren Schwertern, da das Becken geöffnet wird.

Im Zuge der Erforschung und des Trainings spätmittelalterlicher Kampfkunst gibt es in dieser Hinsicht bestimmt noch einiges für mich zu lernen, doch für heute soll es genug sein. Ich freue mich schon auf den regen Austausch, sei es persönlich, über Instagram, per E-Mail oder auf sonstige Weise. Bis zum nächsten Mal 🙂