Schwerter für die Gewappnete Hand

Die Fechtweise, die diesem Blog den Namen gibt, also das Fechten mit der zweiten Hand in der Klinge (auch Kurzes Schwert oder Halbschwert) ist besonders für das Gefecht gegen einen gerüsteten Gegner dokumentiert. Historische Schwerter für diesen Einsatz sind naturgemäß sehr spitz und steif ausgeführt, um die Blößen des Harnischs mit dem Ort angreifen zu können. Oft weisen sie auch spezialisierte Griffmöglichkeiten in der Klinge, spitze Enden am Kreuz und schwere Knäufe auf, um auch beim Schlag mit dem Gehilz gut wirken zu können. Besonders eindrucksvoll ist dies z.B. bei Fiore dei Liberi (35r, MS Ludwig XV 13) zu sehen.

Moderne HEMA-Schwerter müssen hier anders funktionieren, um Trainingspartner zu schützen und trotzdem eine saubere Umsetzung der entsprechenden Techniken zu erlauben. Die Klingen von Federn fürs Bloßfechten sind oft sehr schmal, was das Greifen erschwert. Gleichzeitig ist selbst ein verdickter oder umgeschlagener Ort noch vergleichsweise spitz, wenn er im Kurzen Schwert an die Blöße angesetzt wird. Die Flexibilität der Federn wird in dieser Griffweise massiv gemindert, sie verhalten sich eher wie Dolche. Es braucht also steife Schwerter mit guter Griffigkeit der Klinge, sehr stumpfem Ort und passenden Dimensionen für die 1460er.

Für das generelle Training habe ich mich für das Polypropylenschwert von Cold Steel entschieden. Greift man es mit beiden Händen am Griff führt es sich wie ein Prügel – es ist schwer, steif wie ein Brett und vor allem unhandlich. Als Langes Schwert völlig ungeeignet. Doch sein Ort ist eher rund, die Klinge ist bis zum Ort dicker als 20 mm x 15 mm, und es hat keine Metallteile, die bei Schlägen mit dem Gehilz Probleme machen könnten. Durch seine Kopflastigkeit ist es im Kurzen Schwert sehr ausgewogen und führt sich beinahe wie ein kleiner Speer. In ersten Tests hat es sich bewährt, da es sich auch mit schweren Fechthandschuhen gut in der Klinge greifen lässt, erstaunlicherweise nicht übertrieben hart trifft und trotzdem eine Steifigkeit aufweist, die es für das Fechten im Kurzen Schwert eben braucht.

Für fechterisches Reenactment und dergleichen möchte ich die Holzschwerter von SPES Medieval Market nutzen. Diese habe ich mit Leinöl behandelt, um sie etwas robuster zu machen. Auch diese Schwerter sind in der Griffweise als Langes Schwert eher unhandlich (niemals jedoch so schlimm wie die Plastikgeräte), gewinnen jedoch enorm in der kurzen Griffweise. Da sie über keinen ausgeprägten Ort verfügen und ziemlich dicke Klingen haben taugen sie bestimmt hervorragend zum sicheren Fechten zur Gewappneten Hand. Auch die Holzschwerter haben keinerlei Metallteile.

Wie es um Stahlschwerter bestellt ist, das werde ich mir anschauen, sobald das Thema spruchreif sein sollte. Bis dahin sollten diese Geräte ausreichen 🙂

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