Tartsche: ein spätmittelalterlicher Schild

Auch wenn Schilde für Gerüstete im Spätmittelalter zunehmend seltener werden, findet sich doch ein Schild in der Vorlage im Bellifortis. Dieser ist hinter dem Gerüsteten zu erkennen und erlaubt einiges an Interpretation. Meine Variante besteht aus einem Schildkorpus aus dampfgeformtem Holz. Der grundsätzliche Aufbau entspricht einer abgeleiteten Variante aus der Veröffentlichung „Schilde des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit“ von Raphael Beuing und Wolfgang Augustyn (Hrsg.).

Der Holzkorpus der Tartsche wurde beidseitig mit Leinenstoff und auf der Vorderseite zusätzlich mit dünnem Schweinsleder bezogen. Als Klebstoff diente dabei Hasenleim. Dieser Heißleim ist im warmen Zustand sehr dünnflüssig und eignet sich daher perfekt zum Verkleben und Imprägnieren großer Oberflächen. Das Leder diente dann als der Grund für mehrere dünne Schichten eines Kreidegrundes. Dieser besteht aus einer Mischung von Hasenleim mit Kreide. Ein perfektes Mischungsverhältnis muss ich erst noch finden, da leider einige kleine Risse aufgetreten waren. Selbst nach intensivem Schleifen und anschließendem Auftragen einer weiterer Schichten konnten die Risse nicht beseitigt werden. Abschließend wurde die Oberfläche mit feinem Schleifpapier poliert, bis sie sich samtig-glatt anfühlte.

Die Riemen wurden so befestigt, dass der Schild um den Nacken getragen und am linken Oberarm befestigt werden kann. Diese Tragweise erlaubt die Nutzung beider Hände und ist für spätmittelalterliche Reiterschilde recht typisch. Der Schild fungiert dabei wie ein passives Element und ähnelt mehr einer großen Schwebescheibe. Ein zusätzlicher Griffriemen erlaubt die Nutzung der Tartsche mehr wie ein typischer Schild, also eher aktiv in bzw. an der linken Hand.

Nach Montage der Riemen und einer weiteren Schicht Kreidegrund (zum Abdecken der Nägel) erfolgte die Bemalung. Dafür nutzte ich historische Techniken mit Ei-Tempera-Farben. Danke an dieser Stelle an meine Freundin Bettina von Blade and Swords für die fachkundige Beratung und Hilfe bei der Farbherstellung! Als Rotpigment diente Hämatitpulver (rotes Eisenoxid), die weißen Stellen sind einfach nur der freiliegende Kreidegrund. Die Schrift führte ich mit Tusche aus, Tempera mit Ruß-Pigment deckt zu wenig für die präzise Linienführung. Die goldene Sonne besteht aus Messingpulver, welches mit Caseinleim vermengt direkt auf den Kreidegrund geklebt wurde. Fertig.

Bestimmt lässt sich noch einiges besser machen. Der Kreidegrund wurde möglicherweise zu dick aufgetragen, sodass er beim Trocken Risse bekam. Auch ein ungünstiges Mischungsverhältnis könnte der Grund gewesen sein. Blattgold statt Messingpulver wäre definitiv ein Upgrade, das traue ich mir momentan aber noch nicht zu 😉 Macht aber nichts, der Schild ist auch so recht ansprechend geworden. In diesem Sinne: omnia vincit amor vincit omnia vincit amor!

Hinterlasse einen Kommentar